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Sampsigeramos

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Posted on Tuesday, July 31, 2001 - 07:46 pm:   Edit Post Delete Post View Post/Check IP Print Post    Move Post (Moderator/Admin Only)

Liebe Monika, Miriam, etc.,

diese ganze Diskussion, wer seine Kinder wie indoktriniert und davon abgehalten werden soll, geht für meinen Geschmack an der Realität der palästinensischen Lebenssituation glatt vorbei.

Ich spreche jetzt ausdrücklich von der arabischen Bevölkerung in Ostjerusalem, dem Westjordanland und Gaza, also in dem Gebiet, das völkerrechtlich gesehen (und alle westlichen Regierungen, die USA inklusive, sehen das bis jetzt genauso)von Israel militärisch besetzt ist, aber kein israelisches Staatsgebiet darstellt. Dementsprechend spreche ich nicht über die "israelischen Araber", auch wenn Monika diesen Begriff anscheinend undifferenziert für die ganze arabische Landesbevölkerung verwendet.

Ein Beitrag, der hier bei Hagalil aufgenommen worden ist, und der sich mit der "Belagerungssituation" des (jüdischen) Jerusalemer Vorortes Gilo befaßt, lautet im Titel "Der Krieg ist vor unserer Haustür" (oder so ähnlich, ich zitiere aus dem Gedächtnis).
Nun, diese Erfahrung machen die arabischen Bewohner der besetzten Gebiete seit mindestens zwanzig Jahren täglich, daß sie jetzt auch die jüdischen Bewohner Gilos einholt, ebenso wie die Bewohner vieler anderer jüdischer Siedlungen in diesen Gebieten (auch Gilo befindet sich völkerrechtlich nicht in Israel), finde ich persönlich traurig und hätte mir das nicht gewünscht. Die meisten Palästinenser aber finden das wohl nur gerecht. Und ich kann ihnen, ehrlich gesagt, keinen großen Strick daraus drehen.

Als Ende der siebziger Jahre die erste Likud-geführte Regierung unter Menachem Begin Tempo und Intensität des Siedlungsausbaus in den "Gebieten" massiv erhöht hat, regte sich der erste palästinensische Protest gegen die Siedlungspolitik. Als Antwort beging eine radikale Siedlergruppe namens Gush Emunim ("Block der Getreuen"), die damals sehr im Schwange war, zwecks Einschüchterung der arabischen Bevölkerung eine Reihe von Bombenattentaten gegen die Bürgermeister arabischer Orte im Westjordanland, was glücklicherweise niemanden das Leben kostete, aber zur dauerhaften körperlichen Behinderung einiger der Opfer führte. Dieselbe Gruppe, bzw. Angehörige davon, unternahm (ich glaube 1982) Anstalten, den Felsendom in die Luft zu sprengen, wurde aber noch rechtzeitig entdeckt. Alle Schuldigen an diesen ausgeführten oder geplanten Attentaten wurden nach nicht mehr als zwei Jahren aus der Haft entlassen ! Die somit einmal ins Leben gerufene Siedlermilitanz (Terrorismus könnte man es auch nennen, aber Terroristen sind ja bekanntlich immer Araber) setzt sich bis heute fort, natürlich immer unter dem moralischen Deckmäntelchen der "gerechten" Antwort auf tatsächliche oder zusammenspintisierte palästinensische Gewalttaten. Seit Mitte der achtziger Jahre sind mehr als hundert Palästinenser Opfer von Siedlergewalt geworden: Bei der Arbeit auf ihren Feldern unterhalb der Siedlungen erschossen, im Hof spielende Kinder, von einer Kugel getroffen, die aus der Entfernung auf das Haus abgefeuert wurde, als Racheakte zu Tode geknüppelt oder gewürgt (auch Kinder, Tage nachdem sie tatsächlich oder angeblich Steine auf Siedlerautos geworfen haben, also nicht in einer akuten Gefahrensituation für die Täter). Gerade in Hebron haben die dortigen, von ihrer Ideologie her eindeutig Rassisten zu nennenden, Siedler ein trauriges Register von Angriffen auf Kinder und Jugendliche auf dem Schulweg bzw. der wiederholten Verwüstung der arabischen Schule unter den geduldigen Augen der glorreichen Zahal-Soldaten. Wer hat mal gefragt, warum die palästinensischen Kinder Steine werfen anstatt zur Schule zu gehen ?
Das Attentat auf eine palästinensische Familie vorletzte Woche war nur die Spitze des Eisbergs und hat allgemeine Aufmerksamkeit auf sich gezogen, weil es besonders drastisch war. In kleinerem Maßstab läuft das seit eineinhalb Jahrzehnten und ist palästinensischer Alltag. Daß nur ein Bruchteil der Fälle überhaupt vor Gericht kommt, die Strafen meist lächerlich sind und häufig auch noch vorzeitig amnestiert wird, brauche ich nicht extra zu betonen.
Soviel zu den Siedlern.

Kommen die Armee und der "Shin Beth". Ich konzentriere mich nur auf die Dinge, die aus Kindersicht besonders eindrücklich sind: Kollektive Repressalien (in der ersten Intifada auch monatelanges Schließen von Schulen), Ausgangssperren, Demütigungen von Vater, Mutter und älteren Geschwistern durch Militärposten oder -Patrouillen, Mord an des Terrorismus auch nur Verdächtigten durch Under-Cover-Agenten, teils des nachts im eigenen Haus und vor der eigenen Familie, Hauszerstörungen, etc. Und in den Gebieten der Zone C und B ist das auch nach Oslo weitergegangen.
Ich erwähne die strukturellen Probleme nur am Rand: Siedlungsausbau und Verstärkung der Siedlerpräsenz auch nach Oslo (gerade nach Oslo), mit allen behindernden Auswirkungen für das Leben der arabischen Orte, engmaschige Kontrolle der Armee um die Gebiete der Zone A, massive Arbeitslosigkeit gerade unter Jugendlichen: In den siebziger und achtziger Jahren hat die israelische Wirtschaft die Gebiete als Pool für billige, ungelernte Arbeitskräfte von sich abhängig gemacht, heute holt man rumänische und thailändische "Gastarbeiter" ins Land und sperrt die Gebiete ab.

Die Schule der palästinensischen Jugendgewalt ist die Straße ! Die Kinder und Jugendlichen brauchen keine großartige Verhetzung mehr, um zum Stein oder Molotowcocktail zu greifen. Genausowenig wie nach sieben Jahren fruchtlosen Friedensprozesses die Mehrheit der Palästinenser keine Manipulation oder Planung durch den bösen Arafat und seine Clique braucht, um sich stimmungsmäßig hinter Gewalt und auch Terror zu stellen! Man braucht sich Araber nicht als Wesen vom Mond mit völlig anderen Hirnzellen als "normale Westler" vorzustellen, um das zu erklären.
Die Gruppe unter den Palästinensern, die ihre Kinder ganz bewußt zu Gewalt, Haß und "Martyrium" erzieht, ist, das möchte ich Miriam sagen, verschwindend klein. Daß es das gibt, ist klar und es wird ja auch propagandistisch gerne und schnell hervorgezogen. ABER ES IST NICHT REPRÄSENTATIV ! Es hat aufgrund der von mir geschilderten Verhältnisse seit mindestens zwei Jahrzehnten im Westjordanland (und noch weniger in Gaza) keine normale Kindheit gegeben ! Das ist die Erklärung für die Gewaltbereitschaft der palästinensischen Jugend.

Wer es nicht glaubt und der Meinung ist, israelische Armee- oder Regierungsberichte seien zuverlässiger als die Erhebungen von Sozialwissenschaftlern aller möglicher Nationen (auch israelische), neutralen Beobachtern, Menschenrechtsorganisationen, mutigen (israelischen und westlichen) Journalisten, die sich dort unabhängig vom großen Pulk bewegen, Europäern und Amerikanern, die dort arbeiten, etc., dem kann ich nicht helfen. Das müßte ja eine gigantische antiisraelische Verschwörung sein, genauso gigantisch wie die von Antisemiten zusammengefaselte "jüdische Weltverschwörung".

Wenn ich hier bitterer und bissiger gewesen bin als sonst in meinen Beiträgen, so liegt das daran, daß ich in den letzten Wochen mal wieder das große Vergnügen gehabt habe, das Desaster vor Ort und Stelle zu besichtigen.

Trotzdem freundliche Grüße

Jörg
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Awram

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Posted on Wednesday, August 01, 2001 - 12:09 am:   Edit Post Delete Post View Post/Check IP Print Post    Move Post (Moderator/Admin Only)

hallo sami,

sie werden sich wahrscheinlich wundern, doch auch ich reagiere manchmal etwas ungehalten wenn ich mit betroffenen spreche und diese bilder / erzählungen begleiten mich auch, wenn ich nicht mehr vor ort bin und vor ihrem hintergrund liesse sich bestimmt auch die ein oder andere reaktion von mir besser vertehen.

ich habe in israel noch niemanden getroffen / gesprochen, der keinen frieden will.
doch wenn man ihren darstellungen folgen darf, dann gibt es wirklich ein kleines problem. deswegen könnte ich ihnen mit psalm 120 (vers 7) antworten:
-
diese personen wollen keinen krieg, ob sie es nun glauben oder nicht.

wenn sie so abfällig über die politik der stärke sprechen, dann lassen sie sich eins gesagt sein, dies ist das einzige, was israel von sich aus zu seinem erhalt geben kann, alles andere liegt nicht mehr in seinen händen.
was glauben sie denn warum ägypten mit israel frieden geschlossen hat, weil dieses land so beeindruckt war von den aktionen der friedensbewegung und sich dann entschlossen hat, da mach ich doch auch mit?

die araber wurden also permanent betrogen? also irgendwie vermisse ich bei ihnen die "bodenhaftung". bleiben sie doch beim realen geschehen und erzählen sie hier keine geschichten aus 1001 nacht, sonst komplettiere ich dies mit der fehlenden gegenseite, aber ich denke, das könnten sie auch, wenn sie nur ein bisschen ausgewogener denken und schreiben würden.
kein wort zur teilung jerusalems, kein wort zur zerstörung der (jüdischen,) jerusalemer altstadt, kein wort dazu, dass moshe dayan nicht den tempelberg erobert hat, kein wort dazu, dass israel die altstadt nur mit kleinkalibrigen waffen angegriffen und eingenommen hat, kein wort zu den heckenschützen im geteilten jerusalem u.s.w. gab es das alles nicht? oder gab es das nur für sie nicht?
ich habe das ungute gefühl, sie sehen nur was negativ aus israelischer sicht ist, noch nie habe ich von ihnen vernommen, dass sie den terror der arabischen seite auch nur mit einem wort erwähnen. richtig, es gab ihn schon vor der besetzung weiterer gebiete.

was sie sich erregen über sicherheitsbedingungen (radarstation auf dem hermonberg)+, aus meiner sicht, entmilitarisierter golan, ist mir ein rätsel? ist der maschiach schon gekommen und ich habe es noch nicht gemerkt :-(, gab es keine vorgeschichte? wurden israelisches kernland nicht vom golan beschossen? fragen sie doch einmal in den kibbutzim am see genezareth!

mir liegt durchaus etwas daran, das israel ein jüdischer staat ist. ihnen scheint es nicht viel auszumachen, ob israel jüdisch ist oder nicht. wenn dem so ist, so kann man ja in zeiten des internets seinen arbeitsplatz auch problemlos verlagern und sie könnten ihrer tätigkeit in ramalah, nablus oder gaza-stadt nachgehen, nach einem jahr können wir ja sehen wie es ihnen gefällt. es ist immer leicht, aus sicherer entfernung zu urteilen, wenn man keine ernsthafte beziehung zu dem gebiet hat.
ich kenne auch ein paar sfaradim die ihre "heimat" verlassen mussten und die nunmehr seit einer geraumen zeit in israel leben. wohin hätten sie gehen sollen? in ein arabisches israel? machen sie sich doch nichts vor. oder hätten sie warten sollen, bis sie in die kommende welt befördert werden:-(. diese personen haben mehr zurückgelassen als ein haus oder ein paar olivenbäume, doch trotz allem waren sie nicht entmutigt, sondern haben begonnen sich etwas neues zu schaffen und sie haben es geschafft, wenn auch nicht alle den gleichen status haben wie früher, doch sie sind nicht in lethargie verfallen und haben sich in ihr "vermeintliches" schicksal ergeben. so waren auch sie ehemals neueinwanderer, genau wie die "russen" heute. israel ist die heimstatt der juden und wenn die araber zurückkehren würden, dann wäre es wie die letzten jahrhunderte zuvor - araber in der mehrheit und juden in der minderheit. sehen sie ruhig in die pna-gebiete, dies wird dann auch aus israel. na denn.
und über die definition von flüchtlingen gilt es vielleicht auch zu reden. um es einmal am beispiel deutschlands darzustellen. wenn ein vater und mutter aus schlesien vertrieben wurden, dann bedeutet es nicht für mich, dass der in deutschland (10, 20 oder 30 jahre später) geborene sohn ein "jungvertriebener" ist. sehen sie dies anders? und in diesem sinne verringert sich die zahl der vertriebenen erheblich. wenn von dieser wiederum nur diejenigen personen gerechnet werden, die israel durch jüdischen druck verlassen haben, dann wird diese zahl noch einmal erheblich vermindert.
richtig, zahlen über zahlen. doch diese sind ausschlaggebend, denn hinter diesen zahlen stecken menschen.

wenn sie es bedauern, das die "palästinenser" keine armee haben, dann reichen ihnen wohl zehntausende bewaffnete nicht (offizielle "sicherheits-"kräfte). wollen sie unbedingt eine armee? wollen sie einen krieg in der region? einen krieg mit zehn-, hunderttausenden oder gar millionen toten? wollen sie das? denn andere personen stehen schon im hintergrund, um "für die sache der palästinenser" zu streiten, auch wenn dabei palästinenser sterben müssen und diese herren haben nicht nur konventionelle waffen.

doch jetzt beschliesse ich besser die antwort, sonst schreibe ich noch etwas was ich später vielleicht bereue. allerdings hätte ich noch eine anschliessende frage: sind sie auch bei der taz als israelkorrespondent angestellt - falls nicht, sollten sie sich vielleicht einmal bewerben.

ich wünsche ihnen trotz allem alles gute
peter

p.s.: hier habe ich einen kleinen artikel von j.joffe bezüglich der teilung und der vorgeschichte
http://www.hagalil.com/archiv/98/00/teilng50.htm
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Awram

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Posted on Wednesday, August 01, 2001 - 12:44 am:   Edit Post Delete Post View Post/Check IP Print Post    Move Post (Moderator/Admin Only)

hallo miriam,

was hatte ich denn geschrieben?
"die kinder der palästinenser werden zum hass und zum kampf erzogen"
und erziehung ist nun einmal nicht nur sache des elternhauses, auf das du dich beziehst, sondern auch sache der bildungseinrichtungen. auch die bereits im fernsehen dokumentierten "wehrlager" mit militärischer ausbildung beziehe ich hier in meine betrachtungen mit ein. wenn dort derartige inhalte vermittelt werden, dann wäre dies durchaus einmal für die personen in europa interessant, die immer israel als den schuldigen ausmachen und dieses propagieren. das sich deswegen etwas daran ändert, glaube ich nicht, doch um den blick zu schärfen ist dies durchaus sinnvoll dies mit einzubeziehen.

und wenn ich immer höre, diese radikalen islamisten sind schon schlimm, aber wir dürfen doch die jüdischen extremisten nicht vergessen (ein wort wort, welches gern noch mit rechts- verziert wird). dazu habe ich vor geraumer zeit die wiederholung eines fernsehbeitrages, des so geschätzten peter scholl-latour, gesehen. dabei dachte ich mir noch, er mag etwas vom islam verstehen, aber vom judentum ist seine vorstellung doch eher "schwammig". dort war beispielsweise von jüdischen extremisten die rede (bzgl. tempelberg) und es wurden betende chassidim an der kotel gezeigt - sehr sinnvoll, als wenn die chassidim eine terroristische vereinigung wären, denn sie wurden als gegenstück für eine hisbollah - demonstration genommen = sidur gegen kalaschnikow usw.

alles gute
peter

hallo jörg,

dir werde ich demnächst antworten. nur vorab, ich erwähnte in meinem beitrag
"um es noch einmal zu verdeutlichen, sie werden aus taktischen gründen vorgeschickt und der grundstein für ihre taten wurde nicht jetzt gelegt, sondern liegt in ihrer jahrelangen erziehung und in ihrem umfeld. "
mit dem umfeld waren natürlich die lebensverhältnisse der palästinenser gemeint. einem thema, das wir bereits vor geraumer zeit bereits einmal besprochen haben und das damals, wie heute unbefriedigend ist und für das ich auch keine schnelle abhilfe sehe. doch solange dieses potential da ist, solange sehe ich keine aussicht auf entspannung der situation. vor allem wenn man die demographischen studien bedenkt, wird es schwer fallen, den jetzigen prozentualen stand der erwerbstätigen in den pna - gebieten gleichzuhalten, von einer erhöhung wage ich gar nicht zu sprechen.

alles gute
peter
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jewgenij

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Posted on Tuesday, July 31, 2001 - 11:36 pm:   Edit Post Delete Post View Post/Check IP Print Post    Move Post (Moderator/Admin Only)

Hallo! Peter,Jörg,ich muß mich entschuldigen für eigentlich rassistische Aussage über Geburtenrate,aber warum reden so viele z.b.über albanische Geburtenrate mit dem Hinweis darauf,Albaner hätten ihre Kinder absichtlich im Kosovo-Krieg geopfert(interessant,aber es sind eben dieselben Medien,die Israel am schärfsten angreifen).Oder in russischen Medien ist der Begriff "muslimische Gebährmaschine" im Bezug auf Mittelasien,Kaukasus,Bosnien(was gar nicht stimmt)und natürlich Kosovo normal,während dasselbe Problem in arabischen Ländern als positiv dargestellt wird.Und daß palästinensische Eltern ihre Kinder in den Kampf schicken,sah ich z.b. bei ARD,TF1/3SAT und las in LaStampa u. WELT.

Jörg,ich betonte immer,daß das Modell "wer auf welcher Seite in WW2 stand" nur sehr bedingt mit der Wahrheit zu tun hatte(z.b. Italiener Dalmatiens waren keinesfalls Faschisten,und trotzdem wurden sie von Tito enteignet und vertrieben).Aber an die "Marginalität" der pronazistischen Stimmung glaube ich nicht,jedenfalls was Syrien,Ägypten,Iraq und "irreguläre" betrifft(www.us-israel.org oder z.b. Roberto Finzi "Il Antisemitismo").Ähnliche Stimmung unter Krimtartaren od. Tschetschenen endete in der Deportation,bei der beide Völker 30% der Leute verloren haben.Haben Palästinenser/Ägypter/Syrer 1948 30% der Gesamtbevölkerung verloren?Was ist das für exclusives Recht auf notorischen Judenhaß,der auch für Juden in Diaspora tödlich sein kann?Ich rede über Flüchtlingsproblem,das keine Lösung hat,weil nur israelische Kapitulation=100%Rückkehr für die Mehrheit der Araber akzeptabel zu sein scheint.
Wenn Sie über Siedler reden,vergessen Sie nicht die brutalen und sinnlosen Anschläge der PLO 1967-1977,bei denen "schwache" Palästinenser von KGB,Stasi usw.unterstützt wurden.Denken Sie nicht,daß dise Anschläge Israelis radikalisiert und brutalisiert haben?Wie "radikal" Israelis sind,können Sie aus folgendem Text schließen:
"Jericho..und Hebron..sind Herz des Landes Israel aber nicht der Staat Israel...dieses Land wird und muß den Palästinensern gehören...In der modernen Welt ist es unakzeptabel,daß ein Volk ein anderes Volk unterdrückt...".Wissen Sie wer der Autor ist? Gush Shalom/Bethselem Aktivist!?
Nein!!! Muki Betser,Kämpfer der SaeretMatkal,der größte Antiterrorspezialist Israels und Berater der GSG 9.Wenn Muki Betser schreibt,daß Siedlungen und Siedler für den Frieden schädlich sind,dann glaube ich ihm und nicht dem "Touristen".Aber wenn ich irgendwo in Europa bedroht werde-und diese Situation hatte ich mehrmals,sie ist für Juden ziemlich beschiesen-solidarisiere ich mich unbewußt mit Siedlern und Sharon(das haben Sie sicherlich aus dem HAARETZ-Artikel über Juden in Nizza mitgekriegt).Ich hatte(wie viele russische Juden)auch eine nicht unbedingt normale Kindheit,die zu einem nicht geringen teil von Angst und Erniedrigung geprägt war,aber ich schmeiße keine Steine und bedrohe niemanden.
Grüße,Jewgenij
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Schwarzmann

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Posted on Monday, October 22, 2001 - 12:49 am:   Edit Post Delete Post View Post/Check IP Print Post    Move Post (Moderator/Admin Only)

Definition von Zionismus
aus Gewalt und Gewissen, von "Yaron Ezrachi",
Alexander Fest Verlag, übersetzt aus dem
Amerikanischen von Angelika Schweikhart 1998
Seite 85ff
"...Obgleich das Land liberalen Grundprinzipien
wie der Würde und Freiheit der Person
verpflichtet ist, wird der Wert der eigenen
Geschichte dort nicht nur duch die Dürftigkeit
des persönlichen Raums, der persönlichen Zeit
oder der persönlichen Sprache eingeschränkt,
sondern auch durch die Allgegenwart einer
kollektiven gesellschaftlichen Stimme. Sie
erzält das Monumentalepos von der Wiedergeburt
des jüdischen Königreichs im Heiligen Land in
mindestens drei Grundvarianten, für die
Individualismus auf die eine oder andere Weise
immen den Zusammenbruch des
erhaben-idealistischen Unternehmens bedeutet.
Die erste dieser drei Versionen ist das in
Israel überall präsente religiös-zionistische
Epos. Alter jüdischer Tadition gemäß, sieht es
den einzelnen als Glied einer von G"tt
gestifteten Glaubensgemeinschaft, berufen zur
Erfüllung einer göttlichen Mission. Es ist ein
Erzählmuster, in dem sich das Leben vieler
einzelner durch einen einzigen übermenschlichen
Autor bestimmt, einen Autor, der festlegt, was
Natur und was Geschichte sei; ein G"tt, ein
König, ein Reich. Für die Heiden mit ihren
vielen Göttern und vielen Königreichen muß das
Judentum und sein Versuch, ein einziges, für
alles gültige Erzählmuster aufzurichten, eine
vehemente Herausforderung gewesen sein. Den
Juden wiederum war dadurch eine einzigartige und
zugleich universelle Aufgabe zugefallen.

Nicht anders als der religiöse Zionismus,
konzentriert sich auch die zweite Variante des
jüdischen Monumentalepos, der nationalistische
Zionismus, auf das Motiv der Heimkehr ins
angestammte Land, hat allerdings ausserdem
etliche Anregungen vom europäischen
Nationalismus erhalten. Hier ist jder Jude Teil
einer verfolgten Minderheit, und sein Schicksal
hängt ausschliesslich von der Mitgliedschaft in
der Gruppe ab, nicht von persönlichen Talenten,
Mitteln, Chancen. Dem liegt eine Sicht der Dinge
zugrunde, die durch den Hohocaust weithin als
bewiesen gilt und besagt, daß kein Jude seiner
Verfolgung, ja seiner Auslöschung entkommt, auch
der vollständig assimilierte nicht - es sei
denn, er wirkt mit an der Lösung der gemeinsamen
Aufgabe, der Befreiung des jüdischen Volkes aud
der Abhängigkeit von Anderen, oft feindseligen
Völkern. Der nationalistische Zionismus, in dem
die Nation als wichtigster Akteur der Geschichte
an die Stelle G"ttes tritt, ist dem Individuum
keinesfalls freundlicher gesonnen als der
religiöse. Für nationalistische Zionisten ist
Israel eine gemeinschaftliche Unternehmung des
jüdischen Volkes, Schutz gegen Verfolgung und
Völkermord, und erst in zweiter Linie eine Folge
oder Voerrausetzng persönlicher Suche. Wenn die
freiheitlich -demokratische Vorstellung vom
Staat als einem Instrument seiner Bürger, einer
durch Verfassung und garantierte Rechte
kontrollierten Macht in den ersten fünf
Jahrzehnten israelischer Politik auch durchaus
präsent gewesen ist, hat sie doch nie
massgelichen Einfluss entwickelt.

Das dritte Beispiel zionistischer Überlieferung,
der sozialistische Zionismus, vereint die Idee
der Rückkehr ins Heilige Land mit dem Ideal
einer sozialistischen Gemeinschaft. Er geht auf
Tradition und Texte des europäischen Sozialismus
zurück und hat die Geschichte als eine Chronik
von Klsassenkämpfen nach Israel gebracht,
wodurch der natonalistische Zionismus zu Teilen
sozialisiert, der jüdische Sozialismus zu Teilen
nationalisiert worden ist. Neben den religiösen
und den säkular-nationalistischen Zionismus ist
damit eine weitere Katgorie kollektiver
Vorstellungen getreten: die sozialistische. Und
indem sie die geistige wie die moralische
Bedeutung kollektiver Geschichte hervorhoben,
haben der religiöse, der nationalistische und
der sozialistische Zionismus bei der
Herabsetzung des Individuums zusammengewirkt. In
den Erzählmustern, die sich daraus im modernen
Israel entwickelten, wird der einzelne auf
unterschiedliche Weise als fehlgeleitet,
kulturell ignorant, assimiliert, g"ttlos,
degenereirt, materialistisch und egoistisch
geschildert.

Konfrontiert mit den erhabenen kollektiven
Erzählungen von der Heimkehr des jüdischen
Volkes, von seiner nationalen Befreiung oder der
Verwirklichung einer sozialistischen Utopie,
musste die israelische Mittelklasse mit der Zeit
geradezu ein schlechtes Gewissen entwickeln.
Schliesslich setzt sie sich, folgt man diesen
Erzählungen, vor allem aus Menschen zusammen,
die ganz und gar materieller Befriedigung
erlegen sind, angekränkelt von westlicher,
inbesondere amerikanischer Massen- und
Konsumkultur.
Alle drei zionistischen Konzepte glauben "die
Geschichte" auf ihrer Seite; den einzelnen, der
Ihre Ideale nicht teilt, verurteilen sie, weil
er sich für ein Leben entschieden hat, das ohne
Ziel und ohne Vision an eine bedeutungslose
Gegenwart gefesselt bleibt..."
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Ishtara

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Posted on Monday, October 22, 2001 - 09:39 am:   Edit Post Delete Post View Post/Check IP Print Post    Move Post (Moderator/Admin Only)

@ schwarzmann

vielleicht fällt dein kritischer blick auch auf die anderen sozialen "klassen" und vor allem auf die funktion der religion in israel. ich persönlich halte das auseinanderdividieren funktionaler begriffe (religion/zionismus) in verschiedene kategorien sogar vom wohlwollenden standpunkt aus für ein mißverständnis - gerade weil die religion im artikel unter zionismus subsumiert wird, obwohl beide sich durchdringen. die säkulären mittelstandsmassen, die sich dem amerikanischen konsumterror beugen, während sie dem palästinensischen entgegenstehen - durch pures beharren auf ihre eigene existenz - müssen dann tatsächlich "schlechten gewissens" und in steter verteidigung ihrer individuellen einzelheiten "hedonistischen vergnügungen" nachgehen, wie vor einigen wochen die kameras vor der ausgebombten innenstadt-pizzeria es aller welt vorführten... - die toten gehörten dann wohl eher dem kollektiv an, waren aber ganz individuell ermordet worden....???!!!

wenn ich mich recht entsinne, gehören wir hier im forum auch einer kleinen unbedeutenden minderheit weiter-denkender an - die deutsche mittel-masse individualisiert sich hierzulande sowohl regional und multikulturell als auch nach trade-marks - oder (auch) nicht?!?!

Ildi
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Klaus

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Posted on Tuesday, December 18, 2001 - 12:59 pm:   Edit Post Delete Post View Post/Check IP Print Post    Move Post (Moderator/Admin Only)

Ich denke, daß die Schwierigkeiten in Palästina (und Israel) zwar eine weit zurückliegende Ursache haben, jedoch heute eher an anderen Gründen hängen.

Der Zionismus spielt für mich keine Rolle, denn schließlich können auch deutsche Vertriebene nicht einfach in ihre (frühere) Heimat eindringen und davon ausgehen, daß die jetzt dort lebende Bevölkerung sie liebend gerne aufnimmt und ihnen die Macht im Lande überläßt. Deshalb besitzen auch heilige Stätten keine Rechtfertigung für Völkermord und Okkupation.

Das Verhalten der israelischen Juden ist für mich eindeutig verbrecherisch! Palästinenser werden systematisch unterdrückt und die Rechtfertigung ist der Zionismus und der UN-Beschluß die Juden in ihrem gelobten Land wieder anzusiedeln. Das sind denkbar schlechte Begründungen für Unterdrückung, denn das gibt einem nicht das Recht andere Völker zu unterdrücken. Ganz besonders die Juden sollten dafür ein Gespür entwickelt haben, denn schließlich litten sie seit Jahrhunderten unter Verfolgung und Unterdrückung.

Die radikalen Siedler sind im übrigen, meiner Meinung nach, jüdische Nazis. Demnach sind auch die Juden nicht frei von Schuld!
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Yaelu

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Posted on Tuesday, December 18, 2001 - 04:59 pm:   Edit Post Delete Post View Post/Check IP Print Post    Move Post (Moderator/Admin Only)

"Ganz besonders die Juden sollten dafür ein Gespür entwickelt haben, denn schließlich litten sie seit Jahrhunderten unter Verfolgung und Unterdrückung."

Es ist wieder einmal interessant zu lesen, dass Auschwitz ein Erziehungslager für Juden gewesen sein soll. Nichts anderes suggerieren Sie hier mit dieser Aussage.
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Akiva

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Posted on Friday, December 21, 2001 - 01:52 pm:   Edit Post Delete Post View Post/Check IP Print Post    Move Post (Moderator/Admin Only)

BS''D

@Klaus

Die von Dir so genannten "radikale Siedler" , sind Menschen, die gerne in Frieden, auch mit den Arabern, in Eretz Israel leben möchten. Hier kann ich Dir aus meiner eigenen Erfahrung berichten, da ich die Ehre hatte diesen Sommer für ein paar Wochen in Hebron leben zu können. Leider wird dieses Verlangen nicht von der arabischen Seite akzeptiert, da diese gerne die Gebiete wie Samaria, Gasa und Judea "Judenrein" sehen möchten. So kam un kommt es immer wieder zu Überfällen und Massakern von Arabischer Seite an jüdischen Bürgern in diesen Gebieten. Auch waren wie von Dir angesprochen nie diese Gebiete leer von Juden, so hat es z.B. schon immer ein jüdische Gemeinde in Hebron gegeben, bis zum 24 August 1929. An diesem Tag würden 59 Juden von der Arabischen Bevölkerung auf grausamste Weise mit Äxten und Messern massakriert. Baruch Hashem gibt es heute wieder eine jüdische Gemeinde an diesem für uns Juden so bedeutsamen Platz. Nur die Bedingungen unter welchen diese G-ttesfürchtigen Menschen dort leben müssen sind katastrophal. Es gibt kaum eine Nacht, in der nicht auf die Gemeinde geschossen wird, die Kinder wachsen traumatisiert auf, da sie nicht schlafen können, spielen in bunkerartigen Spielplätzen und müssen jederzeit um Ihr Leben fürchten. Auf arabischer Seite gilt immer noch der Leitspruch "werft die Juden wieder ins Meer zurück" und so lange sich diese Einstellung auf arabischer Seite nicht ändert, und Ihre "Führung" nicht auf Terror verzichtet, muss die Israelische Regierung jede Maßnahme unternehmen um Ihre Bürger zu schützen.
Darunter fallen auch Straßenkontrollen, die die Bewegungsfreiheit der Terroristen einschränken soll. Wenn darunter "Unbeteiligte" leiden müssen, Araber wie Israelis, ist es die Aufgabe der arabischen Bevölkerung, ihren Politikern klar zu machen, nicht weiter auf den Terror zu setzen, sondern durch Verhandlungen eine friedliche Übereinkunft zu erreichen. Jedoch kann und darf es nach meiner politischen sowie religiösen Auffassung keinen autonomen Araberstaat auf den jetzigen Gebieten von Gasa, Samaria und Judea geben!


Wünsche Euch allen einen guten Shabbat Shalom :-)
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yehuda

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Posted on Wednesday, December 26, 2001 - 01:54 pm:   Edit Post Delete Post View Post/Check IP Print Post    Move Post (Moderator/Admin Only)

TODAY (WED), 26.12.2001, 40 ARGENTINE HIGH SCHOOLERS ARRIVE AT 1600 FOR
JEWISH AGENCY-MINISTRY OF
EDUCATION NAALEH BOARDING SCHOOL PROGRAM.

WELCOMING CEREMONY AT BEN GURION AIRPORT ABSORPTION HALL. MUST REGISTER WITH MINISTRY OF ABSORPTION SPOKESMAN YEHUDA GLICK IMMEDIATELY 02-6752691/716. BRING GPO CARD, AND PASSPORT OR ISRAELI ID. ENTRY THRU EMPLOYEES GATE (CUSTOMS GATE) NEAR YOTVATA RESTAURANT.
THANKS
YEHUDA WEINRAUB
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Kari

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Posted on Thursday, December 27, 2001 - 02:32 am:   Edit Post Delete Post View Post/Check IP Print Post    Move Post (Moderator/Admin Only)

"Something like 40 people have been killed in the Bethlehem area in the past five months, most by Israeli bullets or shells. For a small town of 28,000 people, where everyone is your cousin or your uncle or your classmate or engaged to your nephew, it is a burden of collective grief that seems almost unbearable."

http://www.guardian.co.uk/israel/Story/0,2763,624648,00.html

Ein "interessanter" (trauriger) Bericht.Kinder und Jugendliche ... warum wird ihnen ihre Kindheit, ihre Jugend, ihre Zukunft und oft ihr Leben genommen, verdammt nochmal?? Mir ist es so egal, welcher Religion sie angehören, welche Nationalität sie haben!!!

Kari
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Schrey

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Posted on Monday, May 06, 2002 - 10:08 pm:   Edit Post Delete Post View Post/Check IP Print Post    Move Post (Moderator/Admin Only)

Zum Text von Klaus:

Die geäußerte Ansicht, daß der Konflikt im Nahen Osten zionistischen Ursprungs sei, ist mehr als
verfehlt. Für einen großen Teil der Juden waren die Ländern der Diaspora ihre jeweilige Heimat.
Herzls Vision wären vermutlich nur einige gefolgt. Die Ursachen sind vielmehr in Europa zu
suchen. In den immer wiederkehrenden Pogromen, in der doppelzüngigen Politik der britischen
Regierung während des 1.Weltkrieges, in der deutschen Vernichtungsmaschinerie sowie deren
Duldung von allen übrigen Nationen. Als das Ausmaß dessen, was man dem jüdischen Volk
angetan hatte, offenbar wurde, erst da nahm die Idee Herzls (ungeachtet der 1.-4. Alija) realistische Konturen an. Und zwar nicht nur in der Hoffnung der Überlebenden, sondern auch im politischen Denken Europas. Denn erstens wurde man dadurch die Juden vielleicht los und zweitens konnte man das kollektive Schuldgefühl mit dieser guten Tat verdrängen. Diese Schuldgefühle waren es, die 1947 den Beschluß der UN-Vollversammlung zur Teilung Palästinas hervorbrachten und heute
wagen es ausgerechnet europäische Staaten in Frage zu stellen, ob Israel das Recht hat, seine
Existenz zu verteidigen oder es sogar dafür zu kritisieren.

Daß das Land, welches man den Juden gab, nicht unbewohnt war, und daß dessen arabische
Bevölkerung die Teilung nicht akzeptierte, war allen bekannt. In dieser Hinsicht bietet der UN
Beschluß tatsächlich eine Rechtfertigung für Israels Verteidigungsmaßnahmen. Aber natürlich
nicht für etwaige Unterdrückung, verbrecherisches Handeln, Okkupation oder gar Völkermord.

Das heutige Territorium Israels ist das Ergebnis der Kriege, die das Land um sein Bestehen führen
mußte. Wie Sie selbst hinsichtlich der Vertriebenen geäußert haben, sind die Voraussetzungen und Bedingungen dadurch klar definiert. Die gegenwärtige Eskalation der Lage wurde durch den Terror der radikalen palästinensischen Organisationen provoziert. Das Krieg, und es handelt sich um einen ständigen Kriegszustand, mitnichten objektives Handeln garantiert, dürfte bekannt sein. Das von
Ihnen verwendete und oben zitierte Vokabular dürfte dem aber keinesfalls entsprechen.

Es wird immer wieder deutlich, daß Ursache und Wirkung auch hinsichtlich der gegenwärtigen
Ereignisse, oftmals entweder verwechselt oder sogar wissentlich vertauscht werden, letzteres
insbesondere von den Medien. 90% aller Berichte über Zwischenfälle beginnen mit den Worten:
erneute israelische Gewaltaktionen. Wenn überhaupt, ist erst im dritten Satz ein dezenter Hinweis auf die Ursache enthalten: palästinensischer Attentäter (auf die Ergänzung: erneut verzichtet man an dieser Stelle und auch das Wort Terror ist nicht enthalten). Mit derart demagogischem Eifer, der sich zunehmend immer unverblümter darstellt, wird momentan eine regelrechte Pogromstimmung
geschürt. Und niemand hinterfragt.

Bspw. warum die palästinensische Bevölkerung in Gaza trotz Unsummen von geflossenen Geldern
im Elend lebt. Nicht nur wegen ihrer korrupten Führung und schon gar nicht wegen Israel. Oder
warum die Palästinenser, welche nicht in israelischem Staatsgebiet leben wollen, sich nicht in einem ihrer arabischen Bruderländer eine Existenz aufbauen. Nun zunächst wollen sich diese Bruderländer das Schicksal des Libanon ersparen, aber vor allem gönnt man Israel den Dorn im Fleisch. Ein in Jordanien lebender Palästinenser, voll assimiliert und mit einem guten Auskommen, wird kaum ein Bedürfnis entwickeln, als lebende Bombe in Israel zu fungieren. Im Elend der Flüchtlingslager und der sogenannten autonomen Gebiete wächst seit Jahrzehnten das Potential für den Terror heran. Und das gewollt. Man will keinen Frieden mit Israel, sondern man will ihn ohne Israel.


Der als Friedensprozeß bezeichnete Versuch einer Verständigung war darum eine Farce. Während
dieser Zeit wurden mehr und größere Terroranschläge vorgenommen als in all den Jahren zuvor. Die suizidhaften Zugeständnisse Israels haben nur verdeutlicht, wie wenig die palästinensische Führung an einer tatsächlichen Einigung interessiert ist.

Daß die latent judenfeindliche Weltöffentlichkeit dessen ungeachtet Israel diskreditiert steht außer
Frage. Erst unter diesem Gesichtspunkt kann man nachvollziehen, daß ein schwerer Terroranschlag
in den USA mehr Betroffenheit auslöst, als jahrzehntelanger Terror mit fast täglichen Opfern. Und ebenso, daß Kinderarbeit angeprangert wird, aber gegen den Opfertod von Kindern auf dem Altar des politischen Fanatismus niemand die Stimme erhebt.

Die “Spirale der Gewalt” ist übrigens ein schönes Schlagwort und ein Sprichwort besagt auch, daß der Klügere immer nachgibt. Ein tatsächlich kluger Mann hat aber dazu bemerkt, daß in diesem Fall bald die Dummköpfe die Welt regieren. Mit der Gewalt verhält es sich ebenso.

In diesem Sinne
S. Schrey