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Forum haGalil - Board A » MITTELEUROPA UND DIE WELT » "Besprechung mit anschließendem Frühstück" am 20. Januar 1942: Wannseekonferenz « Previous Next »

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Mm207

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Posted on Sunday, January 20, 2002 - 12:19 pm:   Edit Post Delete Post View Post/Check IP Print Post    Move Post (Moderator/Admin Only)

Ende November 1941 lud der Chef des Reichssicherheitshauptamtes, der Polizei- und Geheimdienstzentrale des NS-Staates, Reinhard Heydrich, eine Reihe hochrangiger Funktionäre zur "gemeinsamen Aussprache" über Probleme der "Gesamtlösung der Judenfrage in Europa" für den 20. Januar 1942 in das Haus am Großen Wannsee in Berlin. Insgesamt waren dann zu diesem Termin 16 Personen versammelt, außer Heydrich Staatssekretäre, weitere hohe Beamte und Offiziere und der dienstbeflissene Protokollant: Adolf Eichmann.

Auf der Tagesordnung stand - in bürokratische Floskeln gehüllt - das größte Verbrechen der Menschheitsgeschichte: der Völkermord an den europäischen Juden.
In der Vergangenheit wurde deshalb diese Besprechung immer wieder als das geschichtliche Ereignis angesehen, an dem die "Endlösung" - der Völkermord - beschlossen worden sei. Das ist nicht richtig und wird heute auch nicht mehr behauptet, denn Anfang 1942 war die Tragödie des Massenmords an den Juden längst Wirklichkeit. Trotzdem hat das Treffen, das später als "Wannseekonferenz" in die Geschichtsbücher einging, entscheidende Bedeutung für den Fortgang des Holocausts.

Was den Verlauf und das Ergebnis der Konferenz angeht, geben zahlreiche aktuelle Artikel und eine Fülle von Literatur Auskunft. Unter anderem finden sich gute Informationsquellen hier:

Texte zur "Wannsee-Konferenz"

Die Schilderung eines Vorfalls, der sich um einen Teilnehmer der Konferenz dreht und - wieder einmal - ein bezeichnendes Licht auf den Umgang der Deutschen mit dieser ihrer Geschichte wirft, werde ich anschließend anfügen.

Monika
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Mm207

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Posted on Sunday, January 20, 2002 - 03:23 pm:   Edit Post Delete Post View Post/Check IP Print Post    Move Post (Moderator/Admin Only)

Mitte der 80er Jahre behandelt ein befreundeter Lehrer an einem Allgäuer Gymnasium in einer Unterrichtsstunde das Thema Widerstand gegen Hitler. Da meldet sich ein Schüler mit der Mitteilung, sein noch lebender Großvater sei ebenfalls Widerstandskämpfer gewesen. Der Lehrer, selbst bei zeitgeschichtlichen Projekten engagiert, zeigt sich sehr interessiert daran, den Großvater persönlich kennen zu lernen. Der Schüler verspricht, den Wunsch daheim weiterzuleiten. Noch am selben Tag ruft die Schülermutter, Tochter des "Widerstandskämpfers", beim Lehrer an, hörbar aufgeregt: Er möge sein Interesse und seine Nachforschungen aus Rücksicht auf ihre Familie unbedingt fallenlassen, denn den Kindern sei über den Opa eine Geschichte erzählt worden, die nicht stimme.

Tatsächlich handelt es sich bei diesem Mann um Dr. Gerhard Klopfer, Jurist und ab 1933 überzeugter Nationalsozialist, der schon in der SA, im Staatsdienst und der Gestapo aufgestiegen war, als er 1942 Staatssekretär in der von Martin Bormann geleiteten Partei-Kanzlei der NSDAP wurde. In einem Buch über die Wannsee-Konferenz*) heißt es, er habe zu den in der Öffentlichkeit so gut wie unbekannten maßgeblichen, einflussreichen und bestinformierten Bürokraten des Regimes gehört.
Als Vertreter der Partei-Kanzlei nahm Klopfer dann auch am 20. Januar 1942 an der Wannsee-Konferenz teil.

Nach Kriegsende wird Klopfer mehrmals bei den Nürnberger Prozessen als Zeuge vernommen. Es ist kaum begreifbar, dass er mit der dreisten Behauptung durchkommt, er habe von den Mordplänen nichts gewusst, es sei nur von "Aussiedlung" die Rede gewesen. Im Entnazifizierungsverfahren wird er, der ehemalige Staatssekretär und SS-Gruppenführer (sprich: General), als "minderbelastet" eingestuft. Ein Verfahren in Ulm wird 1962 schließlich eingestellt.
Von da an lebt Klopfer, der verhinderte "Widerstandskämpfer", unbehelligt als Rechtsanwalt in Ulm, bis zu seinem Tod 1987.
Seine zweite Frau - offensichtlich mit besonderem Feingefühl ausgestattet - formuliert die Todesanzeige. Sie lautet wortwörtlich:

"Wir trauern um Dr. jur. Gerhard Klopfer, Rechtsanwalt, nach einem erfüllten Leben zum Wohle aller, die in seinem Einflußbereich waren."

Es gibt Proteste, u.a. von Heinz Galinski. Eine von der SPD-Fraktion des Ulmer Stadtrats erstattete Anzeige wegen Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener verläuft jedoch im Sande.

Eine deutsche Biographie....

(In diesem Zusammenhang eine Frage meinerseits an Prof. Lasch: Wie sollte man solche Leute und alle, die diese katastrophalen Lügen unterstützten und unterstützen nicht hassen??! Diese Geschichte ist unheilbar)

Monika

*) Pätzold, Kurt/Schwarz, Erika: Tagesordnung Judenmord - Die Wannsee-Konferenz am 20. Januar 1942, Berlin 1992, S. 220
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Kostikk

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Posted on Monday, January 21, 2002 - 02:00 am:   Edit Post Delete Post View Post/Check IP Print Post    Move Post (Moderator/Admin Only)

Marginalien

(...)
Heute vor 20 Jahren, am 20. Januar 1982, fand in der Wannseevilla eine Gedenkveranstaltung statt, die ich nie vergessen werde. Etwa 200 Menschen drängten sich in dem ovalen Raum, in dem einst die Nazi-Schergen gesessen hatten. Heinz Galinski, der Leiter der Jüdischen Gemeinde, hielt eine eindrücklich mahnende Rede, Richard von Weizsäcker, damals Regierender Bürgermeister, ebenfalls. Am Schluss sprach ein Rabbiner, der, wenn ich mich richtig erinnere, zu diesem Anlass aus Israel gekommen war, ein Gebet. Es endete mit dem Satz:

"Herr, vergib ihnen nie, denn sie wussten genau, was sie taten."
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Mm207

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Posted on Monday, January 21, 2002 - 08:26 am:   Edit Post Delete Post View Post/Check IP Print Post    Move Post (Moderator/Admin Only)

Ganz genau so empfinde ich auch.

Monika
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Großmeister B.

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Posted on Friday, January 25, 2002 - 09:03 pm:   Edit Post Delete Post View Post/Check IP Print Post    Move Post (Moderator/Admin Only)

Ist eine Frage erlaubt?Gehört zwar nicht direkt zum Thema ist vielleicht aber interressant.Ich habe nen paar Bücher gelesen.Z.Bsp. Jean Paul Pressac und eins von Roul Hilberg.Die differierten zum Teil ziemlich krass.Ist Jean Paul Pressac nen verdammter Revisionist oder was?Gibs eigentlich Quellen wo sie´s schriftlich vor dieser Konferenz niedergelegt haben das sie alle Juden umbringen wollen (`nen Befehl oder soetwas)?
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Olavschroeer

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Posted on Sunday, January 27, 2002 - 11:17 pm:   Edit Post Delete Post View Post/Check IP Print Post    Move Post (Moderator/Admin Only)

Die Schuld am Holocaust: Der ungeschriebene Befehl

Peter Longerich über die Schuldigen des Holocaust

Hitler hat die Ermordung der Juden Europas autorisiert und gesteuert. Doch eine schriftliche Anordnung gab es nicht. Der Holocaust bestand aus einer jahrelangen Serie von Massakern. Krieg und Genozid bildeten eine Einheit.

Von Peter Longerich
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franky

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Posted on Tuesday, February 12, 2002 - 11:27 pm:   Edit Post Delete Post View Post/Check IP Print Post    Move Post (Moderator/Admin Only)

"Herr, vergib ihnen nie, denn sie wussten genau, was sie taten."

Wenn sie nicht schon (fast) alle tot sind...

Eine Sippenhaft, eine Kollektivschuld für uns Deutsche gibt es nicht, wohl aber die moralische Verpflichtung, das Andenken der Opfer zu bewahren und dafür Sorge zu tragen, dass auf deutschem Boden nie wieder derartiges geschieht.

Überkompensation (auch in Form von Instrumentalisierung) und Philosemitismus werden m.E. genauso schädlich sein wie Antisemitismus.

Beides sollte nicht zugelassen werden...(damit mal endlich ein normales Verhältnis zwischen Deutschen und Juden entsteht).
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Katrink

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Posted on Wednesday, February 13, 2002 - 10:05 am:   Edit Post Delete Post View Post/Check IP Print Post    Move Post (Moderator/Admin Only)

@franky,

Eine Sippenhaft, eine Kollektivschuld für uns Deutsche gibt es nicht, wohl aber die moralische Verpflichtung, das Andenken der Opfer zu bewahren und dafür Sorge zu tragen, dass auf deutschem Boden nie wieder derartiges geschieht.

Nicht nur auf deutschem Boden, sondern weltweit!!!!
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Mm207

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Posted on Wednesday, February 13, 2002 - 11:13 am:   Edit Post Delete Post View Post/Check IP Print Post    Move Post (Moderator/Admin Only)

Eine Sippenhaft, eine Kollektivschuld für uns Deutsche gibt es nicht...

Das hat auch niemand behauptet. Wieso muss dauernd ein Vorwurf widerlegt werden, der gar nicht erhoben wurde?
Allerdings haben die Deutschen (und Österreicher) eine Kollektivverantwortung. Für die Zukunft, natürlich, aber auch für einen offenen, ehrlichen Umgang mit ihrer Vergangenheit, der kollektiven wie der privat-familiären.

That's it. Mit Überkompensation oder Philosemitismus hat das nichts zu tun.

Monika
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Bina

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Posted on Wednesday, February 13, 2002 - 04:51 pm:   Edit Post Delete Post View Post/Check IP Print Post    Move Post (Moderator/Admin Only)

Ein Ort zur unheiligen Absolution

Die Forschung zu den Hintergründen der Wannseekonferenz als einem Menetekel des Holocaust geht weiter

(Stephan Cartier)